Augusto Boal entwickelte in den 70er Jahren in Lateinamerika, später auch in Europa eine Methodenreihe in theatralen und sozialen Kontexten, die zu Selbstreflexion und Selbstermächtigung in Situationen der Unterdrückung dient. Sein Theater hate das Ziel, auf der Bühne, wie im Alltag autoritäre Strukturen, die oft nur im Monolog stattfinden in einen gemeinsamen Dialog zu verhelfen. Hierfür wurde Trennung von Schauspielern und Zuschauern aufgehoben, sodass die Betroffenen selbst als Expert*innen ihrer Lebenswelt Lösungsvorschläge selbst erproben konnten. Boal ging hierfür in die Virtel Rio de Janeiros, in denen Menschen von Arbeitslosigkeit, gesellschaftlicher Ausgrenzung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, da sie alleinerziehend waren oder als Minderheit  vielfältige Unterdrückung, polizeilicher wie auch zwischenmenschlicher erlebten. Sie selbst als Expert*innen ihrer Lebensrealität  intervenierten nun in Szenen, die sie einbringen konnten. Handlungsalternativen, sowie Lösungansätze aber auch Grenzen der eigenen Vorstellungskraft wurden so sichtbar. Die Durch  dieses Konzept fiel ab Mitte/Ende der 70er Jahre auch in Europa auf fruchtbaren Boden. Die Kombination aus Kunst, Selbsterfahrung und politischem Probehandeln finden seither in vielen pädagogischen und politischen Kontexten statt. Der Selbstermächtigung gegenüber staatlichen, polizeilichen, kriminellen Strukturen, wie sie ihm in den Erzählungen in Lateinamerika begegneten kam eine andere Form der Unterdrückung in Europa hinzu.

Boal erlebte im Exil in Schweden wie sich Menschen ohne personalisierte oder institutionalisierte Unterdrückung das leben nahmen. Um mit dieser scheinbar individuelle Unterdrückung in Kontakt zu kommen und sie aus dem persönlichen Dilemma und Schuldkanon zu holen entwickelte er die Methoden des „Regenbogens der Wünsche“. Innere Bedürfnisse, Stimmen, die sich durch Sozialisation in uns eingeschrieben haben werden so als strukturelle Form der Unterdrückung sichtbar und im Raum mit anderen erlebbar und nachvollziehbar. Das Private ist eben doch politisch. Und so ist dies eien Form, die vorallem in Europa, aber auch weltweit aus der passiven Isolation Einzelner wieder das Erleben vieler in Dialog werden lässt.

Augusto Boal (*1931 in Rio de Janeiro – 2009 ebenda)

verstand sich zugleich als Regisseur, Pädagoge, Therapeut, Autor und Politiker. Er begann 1956 in Brasilein im Alter von 24 Jahren als Theaterleiter und entwickelte ab 1971 – nach Ende einer 3-monatigen Haft und Folter in Brasilien und nach Gang ins argentinische Exil – eine erste Technik des „Theaters der Unterdrückten“, das „Unsichtbare Theater“. Des eigenen Landes verwiesen, fand er die Lebenswelten anderer Menschen andernorts als reichen Erfahrungsschatz. In Peru engagierte er sich in Alphabetisierungsprogrammen. In dieser Zeit entstand auch die Methode des „Forumtheater“, das auf das aktive mitgestalten von Handlungsalternativen aller Anwesenden „Zu-Schauspielenden“ setzt. Als Gastprofessor in Lissabon 1976 und ab 1978 in Paris unterrichtete er Menschen aus ganz Europa in den Methoden des intervenierendne Theater, das nun als Boal-Theater bekannt wurde. 1986 kehrt Boal nach Brasilien zurück. Er ließ sich als Stadtrat (1992-96) aufstellen und verband nun die intervenierenden Lösungsvorschläge aus der Bevölkerung mit den Vertreter*innen der politischen Ebene.